Lenken

 

 

1. Richtiges Greifen des Lenkrades

2. Richtiges Lenken

3. Lenktechnik in bestimmten Situationen

 

 

1. Das Greifen des Lenkrades

 

Die Hände sollten sich während einer Geradeausfahrt in der Viertel-vor-Drei-Stellung oder 10 Minuten vor 14:00 Uhr Stellung befinden. Während des Fahrbetriebs verlassen die Hände ihre Griffposition nur dann, wenn geschalten oder übergegriffen werden muß.

 

2. Richtiges Lenken

 

Mit einer Hand Auto fahren

Warum fahren viele Leute eigentlich nur mit einer Hand am Steuer, obwohl vielen eigentlich bekannt sein könnte, das dies mit zwei Händen besser geht? Meistens einfach aus lauter Bequemlichkeit.

Gegen das Fahren mit einer Hand spricht:

- das es anstrengender ist, da eine Hand/Arm die Kraft zum Lenken aufbringen muß

(Beispiel: Fahren in einer langgezogenen Autobahnkurve)

- das es unsicherer ist, da der Fahrer bei Ausweichmanövern mit einer Hand nicht so gut lenken kann wie mit zwei Händen

- das es unsicherer ist, da die fehlende zweite Hand zum Dämpfen der Lenkradbewegungen eines wackelnden Lenkrades (z. B. aufgrund schlechter Fahrbahnverhältnisse) fehlt, was wiederum zu einem unzureichenden Fahrbahngefühl führt

 

Glaubenskrieg mit dem Ziehen und Schieben

Es gibt heutzutage immer noch Autofahrer die glauben, das es leichter ist das Lenkrad zu ziehen als zu schieben! Ja und was soll ich sagen, die Leute haben recht.

Man braucht sich dazu nur den Aufbau der "Muskeln" eines Menschen anzuschauen und wird dies bestätigt finden. Wer kein Anatomie Handbuch zur Hand hat, muß sich nur an seinen Sportunterricht erinnern und mal drüber nachdenken wie der grösste Teil der Schüler typischerweise beim Klimmziehen die Stange greift.

Nun gut bzw. nicht gut. Diese Art und Weise des Lenkens ist Bockmist. Es gibt zwei Ausnahmefälle in denen das Ziehen erlaubt ist, aber ansonsten sollte man davon die Finger lassen. Apropo, ich habe mal einen Trainer kennen gelernt, der hat mit seinen Schützlingen das Ziehen des Lenkrades trainiert! Ich war einer der Teilnehmer des Trainings und bis heute hat mich diese Technik nicht begeistern können. Beim Ziehen des Lenkrades zieht man seinen Oberkörper aus dem Sitz leicht heraus, wodurch sich der Kontakt zum Wagen verschlechtert. Man bekommt einfach nicht so gut mit, wie stark und in welche Richtung das Auto zu driften beginnt. Wenn bei der Kurvenfahrt das Kfz zu untersteuern beginnt, fühlt man die zuerst ansteigende und dann plötzlich abfallende Lenkkraft beim Schieben des Lenkrades viel deutlicher als beim Ziehen. Begründet ist das bessere Gefühl wieder durch den Aufbau der Muskeln. Wenn es mir schon leichter fällt das Lenkrad zu ziehen, dann fällt mir der kleinere Unterschied beim Wechseln des Aufbaus und Verlustes der Lenkkraft auch viel weniger auf. Unterstützt wird das bessere Gefühl für das Verhalten des Kfz durch das automatische Andrücken des Oberkörpers in die Rückenlehne beim  Schieben. Geschoben wird immer mit der kurvenäußeren Hand. Man kann sich auch merken, das in Rechtskurven immer die linke Hand und in Linkskurven immer die rechte Hand schiebt. In der gleichen Zeit bleibt die andere Hand einfach am Lenkrad.

In welchem Falle darf man denn nun Ziehen?

Der erste Fall ist das Linksabbiegen. Man stelle sich vor, man steht an der Ampelkreuzung, hat den Blinker links gesetzt und die Ampel wird grün. Dann lässt man die Kupplung kommen, gleitet mit der linken Hand auf die 3 Uhr Position, greift zu und zieht dann entsprechend des Kurvenverlaufes das Lenkrad nach links, maximal bis zur 6 Uhr Position. In der gleichen Zeit schaltet man mit der rechten Hand vom ersten in den zweiten Gang.

Das Ziehen ist auch beim Übergreifen erlaubt.

Übergreifen am Beispiel eines Versuches irgend wie ein Stückchen nach Rechts zu kommen

Zunächst schiebt die linke Hand so weit, bis es die 12 Uhr Stellung erreicht. Dann zieht die Linke das Lenkrad weiter bis in die 3 Uhr Stellung. Die rechte Hand hat die ganze Zeit der Dinge geharrt, auf die da kommen werden. Jetzt greift die Rechte auf die 9 Uhr Position und zieht das Lenkrad bis in die 3 Uhr Position. Mit Beendigung des Vorganges, sollte die linke Hand wieder an die 9 Uhr Position und damit beide Hände in Grundstellung kommen.

Warum ist nun das Ziehen in diesen Fällen erlaubt?

Ganz einfach. In diesen Fällen fahren Sie relativ langsam, so das die Bewegungsarten Untersteuern oder Übersteuern nicht auftreten und ein potientieller Lenkfehler keine Folgen hat.

 

 

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Aussagen zum Lenken:

 

Du sollst nicht ruckartig lenken.

 

Weiterhin wissen aber auch viele aus eigener Erfahrung, das man in Gefahrensituationen oft schnell ausweichen muß!

 

Aber wenn man schnell ausweichen muß, dann muß man doch auch schnell, ja im Prinzip ruckartig lenken!

 

Ja aber wenn ich ruckartig lenke, dann kann ich doch auch ins Schleudern geraten!

 

So ist nun der Teufelskreis geschlossen und man kann beim ersten Satz wieder anfangen zu lesen.

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Die getroffenen Aussagen sollen ganz klar verdeutlichen, das eine Betriebsanleitung oder Handlungsanweisung nur dann hilfreich und vollständig ist, wenn sie auch die Hintergründe für ein bestimmtes Verhalten erläutern. Dadurch wird dem Menschen die Möglichkeit gegeben, selbständig die gegeben Anweisungen nachzuvollziehen und in etwas anders gearteten Fällen auch selbständig andere Lösungswege zu finden.  Ein Mensch, welcher die Hintergründe für ein bestimmtes Verhalten nicht kennt, wird viel unwilliger der gegebenen Empfehlung folgen.

Aus diesem Grunde halte ich die hier vorgenommene Aufteilung zwischen Theorie und Praxis, zwischen Wissen und Können sowie zwischen Kfz-Technik und Fahrverhalten so wichtig. Jeder Leser soll die Möglichkeit haben, das Rezept am heimischen Herd kochen und im Falle des Falles auch abwandeln zu können. Weiterhin ist es auch wichtig, einfache und klare Aussagen zu treffen, die sich schnell in einen automatischen Bewegungsablauf einfügen lassen und später dann detailliert die einzelnen Aussagen mit Hintergrundinformationen zu untermauern.

Nun aber zur Beantwortung der Frage.

 

Wie schnell darf man in Gefahrensituationen am Lenkrad drehen???

Man darf so schnell am Lenkrad drehen, solange das Kfz - ohne Auszubrechen - der gewünschten Fahrtrichtung folgt.

Wichtig! Aus der getroffenen Aussage läßt sich ganz klar ableiten, man kann auch ruckartig am Lenkrad rumhantieren!

 

Wieviel darf man am Lenkrad drehen???

Man darf nur solange am Lenkrad drehen, solange das Kfz - ohne Auszubrechen -  der gewünschten Fahrtrichtung folgt.

 

Zwei Fragen und zwei klare Antworten sowie die Schlußfolgerung "Man kann soviel machen wie man will, solange das Kfz mitspielt.".

 

Ein Kfz zeigt in verschiedenen Fahrsitutionen ein bestimmtes Fahrverhalten, was durch die eingesetzte Kfz-Technik bestimmt wird. Daraus kann man schlußfolgern, das ein Fahrer das Fahrverhalten seines Kfz und, wenn er es genau wissen will, auch die Technik im Kfz kennen sollte.

 

In einer einfachen Tabelle sind verschiedene Situationen zusammengefaßt.

 

 

Tabellarische Darstellung des Fahrverhaltens von Kfz bei Ausweichmanövern

 

Ausgangszustand

Folgen

1.

Geschwindigkeit = niedrig

Fahrbahn = griffig (µ = 0,8 )

Lenkbewegungen = ruckartig, schnell

- nur geringe Lastwechsel

- kaum Stabilitätsprobleme

2.

Geschwindigkeit = hoch

Fahrbahn = glatt (µ = 0,1 )

Lenkbewegungen = ruckartig, schnell

- geringe Lastwechsel

- kaum Stabilitätsprobleme, wenn Kfz ohne Antriebseinflüsse rollt und alle Räder die gleiche Bodenbelastung haben

- eventuell zeigt sich eine Untersteuertendenz, bei zu grossem Lenkeinschlag

- Gelingen des Ausweichmanövers, hängt allein von der Geschwindigkeit und dem Lenkeinschlag ab

v = 11,28sqr(µr)

3.

Geschwindigkeit = hoch

Fahrbahn = griffig (µ = 0,8 )

Lenkbewegungen = ruckartig, schnell

- grosse Lastwechsel

- Stabilitätsprobleme wachsen mit zunehmendem Lenkraddrehwinkel

- Kippgefahr ist bei v = 50 - 70 km/h am grössten

 

 

Die Tabelle sollte man erstmal in Ruhe durchlesen und versuchen zu verstehen.

 

 

3. Lenktechnik in bestimmten Situationen

 

Wie lenkt man auf glatter Fahrbahn?

Auf glatter Fahrbahn sollte man erst weich in die gewünschte Fahrtrichtung einlenken und dann die Lenkgeschwindigkeit progressiv steigern.

 

Sollte man bei einer Vollbremsung mit einem Kfz ohne ABS (Räder blockieren) bereits während des Bremsvorganges in die Fahrtrichtung lenken, in die man ausweichen will/muß?

Diese Frage muß jeder Autofahrer für sich selber beantworten. Hier sind mögliche Gründe für eine zustimmende, wie auch für eine ablehnende Antwort.

Ja, weil

- dies entspricht dem natürlichen Reflex des normalen Autofahrers

- es spart Zeit, da die dynamische Achslastverlagerung die Vorderräder beim Bremsen stärker belastet und diese auf trockener Fahrbahn nach dem lösen der Bremse auch leicht anrollen.

 

Reflex:

Hindernis erkannt -- Bremsen -- Erkannt, das der Bremsweg nicht reicht -- Lenkradeinschlag, zwecks Kollisionsvermeidung -- Bremse lösen -- Lenkkorrektur -- Weiterfahrt

oder

Hindernis erkannt -- Bremsen -- Schreckensstarre oder Panikartige Lenkradbewegungen -- Kollision -- Keine Weiterfahrt

 

Nein, weil

- auf Fahrbahnen mit sehr niedrigem Haftreibwert, verzögert sich das Anrollen der Vorderräder sehr stark, da ja auch nur eine geringe dynamische Achslastverlagerung stattfindet

- weil der normale Autofahrer Probleme hat, den richtigen Lenkradeinschlag im voraus festzulegen

 

Meine Meinung?

Den richtigen Lenkradeinschlag kann der Autofahrer in einem Sicherheitstraining trainieren, weswegen es eigentlich kein Gegenargument ist. Auf nasser oder anderweitig glatter Fahrbahn empfehle ich das Lenkrad nicht schon vorher einzuschlagen, während man es auf griffiger Fahrbahn tun sollte.

 

 

 

Lenktechnik zum Abfangen eines ausbrechenden Kfz

 

Wie schnell darf man am Lenkrad drehen?

Je eher man auf das Ausbrechen des Kfz reagiert, desto einfacher und sicherer gelingt das Abfangen des Kfz. Schnelligkeit und Größe der Lenkkorrektur müssen der Geschwindigkeit und dem Umfang des Ausbrechens angepasst sein. Eine direkt proportionale Lenkkorrektur wäre zu langsam. Die Lenkbewegung muß minimal schneller als die Drehbewegung des Kfz sein. Wenn man zu schnell und viel am Lenkrad dreht, wird das Kfz in die andere Richtung ausbrechen.

 

In welche Richtung lenkt man im Falle des Falles?

Hier sind verschiedene Formulierungen mit der gleichen Aussage aufgeführt, von denen sich der Leser die für Ihn verständlichste aussuchen kann. Falls jemand noch eine andere hat, kann er mir diese gerne zusenden.

- Man lenkt in die Richtung, in die das Kfz mit dem Heck auszubrechen beginnt. Wenn sich das Heck nach links bewegt, dann sollte der Fahrer nach rechts lenken.

- Man stellt die Vorderräder immer in die Richtung, in die man fahren möchte.

- Gegenlenken

 

Wieviel sollte man am Lenkrad drehen?

Nur gerade soviel wie notwendig.

Wenn der Winkel, den sich das Kfz um die Hochachse gedreht hat, grösser dem Sicherheitswinkel des Kfz ist, dann hat der Fahrer keine Chance mehr es durch irgend eine "Lenktechnik" abzufangen.

 

Das Bremspedal hat beim Abfangen eines ausbrechenden Kfz keine Funktion, es sei denn, der Fahrer weiß nicht mehr weiter. Warum nicht? Wenn man spürt, das das Kfz ausbricht, darf man nicht bremsen. Wenn man die Bremse trotzdem betätigt, verlagert sich das Gewicht des Kfz nach vorne, hinten wird es leichter und man dreht sich. Falls der Fahrer wirklich nicht mehr weiter weiß, dann sollte er auf jeden Fall eine Vollbremsung einleiten. Aber bitte keine halbherzige Bremspedal-Streichel-Einheit, sonst wird trotz ABS die Drehbewegung nur verstärkt.

 

 

 

 

Lenktechnik zum Abfangen eines sich drehenden Kfz

Es gibt die Möglichkeit, einen Dreher in einen Kontrollierten, man nennt das einen "360er" einzuleiten.

Man lenkt entgegen der Drehbewegung des Kfz, aber das Kfz reagiert nicht wie gewünscht. Sollte das Kfz über den Sicherheitswinkel hinaus drehen, dann kommt es aufgrund der eingeschlagenen Vorderräder (bei ca. 145 Grad) dazu, das sich das Kfz weiter um die eigene Achse dreht. Man hat jetzt die Möglichkeit bei ca. 270 Grad nicht mehr gegenzusteuern, sondern in den Dreher reinzulenken und die Räder in Fahrtrichtung geradeaus auszurichten. Falls die Bremse getreten wurde, so sollte diese bei ca. 330 Grad losgelassen werden. Denn da muss das Auto vom Rutschen ins Rollen übergehen.

Würde man das nicht tun, so hat man - je nach Ausgangsgeschwindigkeit - glatt noch die Chance auf eine weitere Drehung.

 

 

Lenktechnik zum Abfangen eines kippenden Kfz

Wenn der Fahrer spürt, das sich beispielsweise bei einem Ausweichmanöver nach rechts, das Kfz mit beiden rechten Rädern abhebt ("Irgendwie ist hier etwas schief."), dann sollte er gefühlvoll und kräftig (= beherzt) nach links lenken. Ausgehend von der Lenkradmittelstellung, genügt es, ungefähr eine Handbreit nach links zu lenken. Natürlich muß man aber erstmal die Lenkradmittelstellung erreichen.

 

 

 

 

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