Bremsen

 

 

Auto fahren soll Spass machen. Warum Bremsen?

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Leise gleitet die Limousine dahin. Die Sattelschlepper auf der rechten Spur asten bergan. Ich lasse sie dröhnen, lasse sie stinken, einer rußt und zieht einen schwarzen Vorhang vor das sonnige Panorama. Nichts von alledem ist in diesem Innenraum zu spüren. Ich fege hindurch.

Ich bin nicht von dieser Welt. Das Raumklima ist angenehm kühl, der Aktivkohlefilter hält den Gestank, die Doppelfenster den Lärm von mir fern. Himmlische Ruhe. So still ist es hier drinnen, daß die eigene Hupe kaum zu hören ist. Leise raunt der Fahrtwind an den Fensterholmen. Aus der Soundanlage lasse ich mich von Pavarotti bedienen. Der amerikanische Klangdesigner Böse hielt es für angemessen, den Innenraum der S-Klasse mit elf Lautsprechern und sieben Verstärkern zu beschallen.

Schwerelos perlt das hohe C aus den Boxen, läßt der Tenor die Stimme schwingen, mezza voce, zart und schön. Der Baß des Zwölfzylinders ist kaum zu hören. 394 PS arbeiten dezent an meiner Fortbewegung. 2,2 Tonnen Stahl und Technik schießen durch die Kasseler Berge.

Kurzer Halt in der Raststätte Seesen. Verrückt: Die Tür brauche ich nur anzulehnen, der Wagen zieht sie selber zu. Der Sender in meiner Hand verschließt sie diebstahlsicher. Aber was ist, wenn mir die drei Herren in der Toilette beim Pieseln den Schlüssel abnehmen? Ich fühle mich wie ein Geldbote. In meiner Hosentasche liegt ein Autoschlüssel im Wert von knapp 210 000 Mark. Ich gebe zu, mir ist nicht wohl dabei.

Ich löse die Feststellbremse und gleite nordwärts. Einmal, hinter Hannover, auf einer geraden Strecke ohne Verkehr, lasse ich die Pferde jauchzen und frohlocken. Der Tacho zeigt 260, der Wagen beschleunigt noch immer, als eine elektronische Sperre das Gas wegnimmt.

Es gibt ein Rüstungsabkommen zwischen BMW und Daimler-Benz. Sie haben sich auf eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern geeinigt. Es ist keine Schwierigkeit, den Mercedes auf diese Geschwindigkeit zu bringen. Das tonnenschwere Geschoß jagt trotz seines Automatikgetriebes in 6,6 Sekunden auf hundert, ein Wert, den kaum ein Sportwagen erreicht, und beschleunigt immer noch, wo anständige Flugzeuge langsam abheben.

Die Schwierigkeit ist, von diesem Tempo wieder herunterzukommen, den Realitätsverlust rechtzeitig zu erkennen, der jedes Gefühl für Geschwindigkeit vergessen laßt. Nichts ist weit weg, wenn mäh über 200 fährt.

Ein Stau.

Runter vom Gas.

Bremsen.

Brrrrem-sen!

Der Wahnsinn der Geschwindigkeit erschließt sich erst beim Stillstand.

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In den folgenden Abschnitten werden erst die einzelnen Übungen zum Thema Bremsen behandelt und am Schluss das "Bremsen in der Praxis" diskutiert.

 

 

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